Dauermarken Österreich ab 1945 (Schillingwährung)
Dauermarkenserien werden häufig etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl sie das eigentlich nicht verdienen. Gerade bei Dauerserien kann man einiges über das Ausgabeland erfahren und so seinen Wissenshorizont erweitern. Betrachten wir uns einmal die Ausgaben der österreichischen Post von 1945 bis 2000. Nach den Überdruckprovisorien auf DR-Marken wurden in dieser Zeit – je nach Zählweise – 10 bis 12 Dauermarken-Serien in Österreich herausgegeben: 1945 Posthornserie mit 17 Werten (in Schilling/Groschen) Die Marken dieser Serie haben ein einheitliches Motiv und waren in der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone gültig. Sie wurden auch mit dem Aufdruck PORTO als Nachgebührmarken verwendet. Die Gültigkeit endete am 31.5.1946. Wappenserie mit 23 Werten (in Reichsmark/Pfennig – „wachsende“ Marken) Diese Serie zeigt einheitlich das österreichische Staatswappen und war in der russischen Besatzungszone bis zum 20.12.1945 gültig. 1. Landschaftsserie mit 29 Werten (in S/Gr – „wachsende“ Marken) Diese Markenausgabe war in ganz Österreich gültig. Die Marken zeigen Landschaften Österreichs und waren bis 9.12.1947 gültig. 1947 2. Landschaftsserie mit 16 Werten (nur zwei Farben: Gr orange, S violett) Diese Ausgabe war wegen der Währungsreform nötig 1948 Trachtenserie in zwei Ausgaben (10 S in größerem Format) die sog. „gelben“ Trachten mit 37 Werten und die „weißen“ Trachten mit 21 Werten 1957 Bauwerke und Baudenkmäler mit 29 Werten (4 Formate) 1966 Obstserie mit 6 Werten 1973 Schönes Österreich mit 27 Werten (3 Formate) 1984 Stifte und Klöster mit 18 Werten 1993 Kunstwerke aus Stiften und Klöstern mit 10 Werten 1997 Sagen und Legenden mit 12 Werten
Die ersten Ausgaben für die Besatzungszonen hatten nur eine kurze Laufzeit, deshalb sind Belege, insbesondere der höheren Werte, selten und gesucht. Bei der Wappenserie gibt es eine ganze Anzahl von Farbnuancen bei einzelnen Werten. Ebenso sind hier wie bei der Posthornserie auch Plattenfehler zu finden. Einer der bekanntesten Plattenfehler bei der Posthornserie ist die “fehlende Schnur”.
Ausgabe für die russische Besatzungszone
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Ausgabe für die britische, amerikanische und französische Zone. Der Wert zu 12 Groschen weist den Plattenfehler „fehlende Schnur“ auf.
Bei der ersten Landschaftsserie (die auch “bunte Landschaften” genannt wird) gibt es ebenfalls Farbnuancen und Plattenfehler zu entdecken. Auch für diese Serie gilt, dass sie auf Beleg seltener zu finden ist. Die Schilling-Werte existieren in zwei Druckarten: Rastertiefdruck von Platten und Liniendruck (Stichtiefdruck) von Walzen. Am einfachsten lassen sich die beiden Druckverfahren am Hintergrund des Wert- und des Inschriftenfeldes unterscheiden. Beim Rastertiefdruck ist die Rasterung bereits bei 3-facher Vergrößerung eindeutig zu erkennen, beim Liniendruck ist der Hintergrund im Gegensatz dazu flächig gefärbt.
Ausgabe für das gesamte Österreich. Die Schillingwerte wurden in zwei unterschiedlichen Druckverfahren hergestellt .Die zweite Ausgabe der Landschaftsmotive war wegen der Währungsreform Ende 1947 nötig geworden. Sie war eine Aushilfsausgabe, da eine neue Dauerserie bereits vorbereitet wurde. Die Groschen-Werte wurden einheitlich in orange, die Schilling-Werte in violett gedruckt. Es wurden die gleichen Motive wie bei der ersten Ausgabe verwendet. Seit dieser Serie waren alle in Österreich herausgegebenen Briefmarken bis 30. Juni 2002 frankaturgültig!
Trachtenserie
Die Serien ”Landschaften” und ”Trachten” haben ihre Vorläufer schon in der 1. Republik (1918 bis 1938). 1929/30 erschien eine Freimarkenserie ”Landschaften” im Großformat (14 Werte), die 1932 durch die ”kleinen Landschaften” (ebenfalls 14 Werte) abgelöst wurde. Die Trachtenserie der 1. Republik erschien 1934 bis 1936 mit insgesamt 21 Werten. Über diese Serien und andere Ausgaben der 1. Republik werde ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Beitrag bringen.
A propos Plattenfehler: Durch den hohen Qualitätsstandard und die umfangreichen Kontrollen in der österreichischen Staatsdruckerei gibt es bei den modernen Ausgaben praktisch keine Druckabarten mehr! Die letzten Abarten gab es meines Wissens bei einigen Werten der Serie “Schönes Österreich”.
Ab 1957 (also noch zur Laufzeit der Trachtenserie) wurde die Dauermarkenserie “Bauwerke und Baudenkmäler” bis 1970 mit insgesamt 29 Werten herausgegeben. Auch bei dieser Serie gibt es für Spezialisten einiges zu tun. Auf eine Besonderheit möchte ich jedoch extra aufmerksam machen:
Der 1-Schilling-Wert “Mariazell” ist meines Wissens die einzige Briefmarke, die in 4 (vier!) verschiedenen Druckverfahren produziert wurde:
1. Ausgabe in Stichtiefdruck (22.6.1957)
2. Ausgabe in Buchdruck (25.10.1957)
3. Ausgabe in Offset-Druck (19.1.1959)
4. Ausgabe (Automatenmarke in kleinerem Format) im Rastertiefdruck (1.2.1960)
diese Ausgabe wurde nicht in der österr. Staatsdruckerei sondern bei
Harrison & Sons in London gedruckt
Bautenserie. Der Wert zu 1,– S wurde in 4 verschiedenen Druckverfahren
hergestellt (Stichtiefdruck, Buchdruck, Offset-Druck und Rastertiefdruck).
Drei der Werte erschienen in kleinerem Format in Rollenform für die Abgabe aus Automaten: -,50 S (Wien-Heiligenstadt), der schon erwähnte Wert 1,- S (Mariazell) und der Wert zu 1,50 S (Wien-Erdberg). Der Wertstempel zu -,50 S wurde bis ans Ende der schilling-Ära noch für die Aufwertung von Ganzsachen bei Portoerhöhungen benutzt (zuletzt 2001 bei der Postkarte mit dem Wertstempel ”Hufeisennase”).
Drei der Werte erschienen in kleinerem Format in Rollenform für die Abgabe aus Automaten: -,50 S (Wien-Heiligenstadt), der schon erwähnte Wert 1,- S (Mariazell) und der Wert zu 1,50 S (Wien-Erdberg). Der Wertstempel zu -,50 S wurde bis ans Ende der schilling-Ära noch für die Aufwertung von Ganzsachen bei Portoerhöhungen benutzt (zuletzt 2001 bei der Postkarte mit dem Wertstempel ”Hufeisennase”). ![]()
Während der Laufzeit dieser Serie wurde der Versuch gestartet, eine neue Dauermarken-Serie aufzulegen. Die sogenannte “Obstserie” erschien 1966 mit 6 Werten, sie wurde aber nicht fortgesetzt. Obwohl die Marken ansprechend gestaltet waren, fanden sie wohl keinen großen Anklang beim Publikum. Die Motive waren auch nicht so österreichspezifisch wie die der anderen Serien (mit Ausnahme der ersten beiden Ausgaben für die Besatzungszonen mit ihren einheitlichen Motiven). Auch die Postangestellten mochten diese Serie nicht, da die Wertstufen – bedingt durch den Mehrfarbendruck – nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden waren.
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Die Ablösung der “Bautenserie” erfolgte ab 1973 mit der Serie “Schönes Österreich”. Sie umfasst insgesamt 27 Werte, die sukzessive bis 1983 herausgegeben wurden. Der Wert zu 3,- S (Bischofsmütze) erschien auch als Automatenmarke in kleinerem Format (Rollenmarke), die 50-Schilling-Marke kam im Großformat zur Ausgabe.
Bei dieser Serie sind 2 Werte besonders zu erwähnen: Die Nennwerte zu 4,20 (1979) und 5,60 (1982) Schilling. Sie wurden extra für die Zollausschlussgebiete Jungholz und Kleinwalsertal aufgelegt, waren aber selbstverständlich in ganz Österreich frankaturgültig. Aus diesen Gebieten konnte Post bis Ende 2005 nach Deutschland zu deutschen Inlandstarifen versendet werden. Der Umrechnungsfaktor Schilling zu DM beträgt 7:1, die beiden Werte entsprachen also dem seinerzeitigen Porto für Postkarte (-,60 DM = 4,20 S) und einfachen Brief (-,80 DM = 5,60 S). Post aus dem restlichen Österreich nach Deutschland unterlag dem normalen Auslandsporto bis dieses durch ein einheitliches Europa-Porto ersetzt wurde.
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Serie wurden auch teilweise die Randfelder der Schalterbogen mit unterschiedlichen Zierdrucken, den Allongen, versehen. Hier gibt es für den thematischen Sammler einiges zu finden. Diese Zudrucke erfolgten zum größten Teil auf private Bestellung.
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Nach dem “Schönen Österreich” mit seinen Landschaftsbildern erschien von 1984 bis 1992 die Serie “Stifte und Klöster” mit 18 Werten, die durch die Folgeserie “Kunstwerke aus Stiften und Klöstern” (10 Werte) von 1993 bis 1995 ergänzt und teilweise abgelöst wurde. Viele Sammler betrachten die beiden Ausgaben als eine Einheit, wohl auch deswegen, weil die österreichische Post weiterhin bei dem Titel “Stifte und Klöster” blieb. Das Erscheinungsbild der beiden Serien unterscheidet sich jedoch erheblich:
Die “Stifte und Klöster” sind im Querformat mit einem Bildrahmen gehalten, die “Kunstwerke” wurden im Hochformat ohne Rahmen mit ganzflächigem Farbdruck produziert.
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Die letzte Dauerserie in Schilling-Nominale ist “Sagen und Legenden” gewidmet. Sie ist seit 1997 am Schalter und umfasst 12 Werte. Hier gibt es als Besonderheit den “WIPA-Block” zu erwähnen. Der 10-Schilling-Wert (Basilisk) wurde als Block anlässlich der WIPA 2000 in Verbindung mit der Eintrittskarte abgegeben. Herausgetrennt unterscheidet sich die Marke nicht von der normalen Ausgabe im Schalterbogen. Dieser Block, obwohl er ein gültiges Postwertzeichen enthält, war nicht über die österreichische Post erhältlich, man erhielt ihn nur auf der WIPA oder musste ihn beim Organisationskomitee bestellen!
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